„Gesunde Kinder in gesunden Kommunen" (gkgk):
Schwergewichtige Probleme für die Gesellschaft

Kooperationstagung im niederländischen Zeddam /
Informations- und Erfahrungsaustausch des Netzwerkes

gkgk-Kooperationstagung Zeddam

 

 

 

 

 

 

 

Bei einer ersten Kooperationstagung zum mehrjährigen deutsch-niederländischen Großprojekt „Gesunde Kinder in gesunden Kommunen“ (gkgk) im holländischen Grenzort Zeddam, unweit von Emmerich/Kleve, wurde eines klar: Die Macher erwartet eine Menge Arbeit. Sich zum eigenen körperlichen Wohl bewegen und gesund leben – das sind für junge Leute dies- und jenseits der Grenze offenbar zwei Dinge, die schwer miteinander vereinbar scheinen.

Drs. Tjienta M. van Pelt von der Geldersen Sport Federatie (GSF) schätzt, dass in den Niederlanden etwa 400 000 Kinder unter Bewegungsarmut leiden. Gemäß verschiedener Studien sollen es in Deutschland rund zwei Millionen Kinder sein von insgesamt zwölf Millionen; 800 000 werden in der Fachsprache als „adipös“ eingeschätzt, als an Fettleibigkeit leidend.

„15 bis 20 Prozent der Grundschüler sind zu dick und zwei von drei Kindern haben motorische Entwicklungsprobleme“, berichtete Professor Dr. Roland Naul vom Willibald-Gebhardt-Institut (WGI) Essen, das das vierjährige gkgk-Projekt leitend begleitet. 20 Partner arbeiten zusammen, zwei Millionen Euro Fördergelder kommen aus verschiedenen Töpfen, zwölf Kommunen aus NRW und den Niederlanden beteiligen sich in der jetzigen Startphase. Die organisatorische Vorbereitung von Zeddam oblag den drei Partnern Gelderse Sport Federatie (Hans Lubbers), Europäische Akademie des Sports (Reinhardt te Uhle) und den Sportservice Noord-Brabant (Stevan Aldershof).

Vertreter von Schulen, Städten und Gemeinden aus dem Euregiogebiet entlang der deutsch-niederländischen Grenze gingen in Zeddam beim zweitägigen Seminar offensiv-erfrischend und wissbegierig an Referate, Workshops und Informationsaustausche heran. „Zeddam hat uns ein großes Stück weitergebracht“, fasste Roland Naul in einer Pressemitteilung zusammen. Demzufolge war besonders wichtig, dass die zwölf bisherigen Partnerkommunen nicht nur ihre Fragen und Entwicklungen vor Ort vorstellen, sondern auch den Blick zum Nachbarn aufnehmen konnten und neue Optionen im Bereich  Ernährungsverhalten, Bewegungsangeboten oder Messstrategien kennen lernen konnten, ganz im Sinne der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.


„Wir brauchen einen langen Atem, um erfolgreich zu sein“

• Klaus Zunker vom Verband der Betriebskrankenkassen Nordrhein-Westfalen mit 14 Millionen Versicherten unterstrich in seinem Beitrag, „Warum machen wir mit?“, dass Gesundheitsvorsorge eine ganz wichtige Sache sei. Und: „Wir brauchen eine langen Atem, um erfolgreich zu sein.“ Es sei „eine Vision, dass wir in 20 Jahren über dieses Problem nicht mehr sprechen werden.“ Von 160 Milliarden Euro Kosten für das Gesundheitssystem in Deutschland entfielen 40 Milliarden Euro auf Folgekosten ungesundes Leben. Früherkennung/Prävention sei in diesem Zusammenhang ein Problem von Männern: 23 Prozent gingen nicht zur Vorsorge gegenüber 6,2 Prozent der Frauen.

Mit buchstäblich schwergewichtigen Programmen werde bereits versucht, Entlastung zu schaffen. So werbe und arbeite der Landessportbund Nordrhein-Westfalen seit Jahren mit „Schwer mobil“ für mehr Leichtigkeit. Im Schulsport seien bis vor einigen Jahren vor allem zuerst Sportstunden ausgefallen; „da tut sich was“, verwies Klaus Zunker auf das Landesprogramm „Bildung und Gesundheit“. Aber nicht alle der 3,3 Millionen Schülern im Land könnten erfasst werden.

Übergewicht sei oft ein Problem von Migranten, berichtete Zunker. Kinder aus Italien seien am wenigsten, Kinder aus den ehemaligen Balkanstaaten stark betroffen, hätten Studien gezeigt.


Enschede: Eine Stadt in Bewegung

• Henny Breukers von der 155 000 Einwohner zählenden Stadt Enschede ist seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema befasst und freute sich wie alle anderen, dass „endlich etwas bewegt“ werde. In Enschede sind 530 Projektleiter ausgebildet worden, die ab Herbst eingesetzt werden. Ziel: Jeder Bürger solle sich 60 Minuten am Tag bewegen.

Ein Netzwerk mit Schulen sowie den Partnern Verein, Gesundheit, Familie sowie Kommune arbeite schon erfolgreich zusammen. Laut Breukers treiben bis zu 98 Prozent der Enscheder Bürger Sport, wenn auch nicht regelmäßig. Gleichwohl sei nachgewiesenermaßen der Organisationsgrad im Sport binnen Jahresfrist von 41 auf 52 Prozent gestiegen; zum Vergleich: In NRW liegt der Satz bei etwa 26 Prozent, im sportfreudigen Kreis Borken bei 35 bis 40 Prozent. Neue Mitgliedschaften in Sportvereinen bezuschusst Enschede ein Jahr lang mit bis zu 63 Euro.

gkgk-workshop

Velen: Croissant-Kinder, Chips, Cola und Fastfood – häufig Baustellen im Elternhaus

• Über eine zweijährige Erfahrung in einem Pilotprojekt „Gesunde Kinder in gesunden Gemeinden“ berichtete Ralf Groß-Holtick, Bürgermeister von Velen, das mit Südlohn-Oeding und Winterswijk seit 2007 aktiv ist. Die Sportvereine sollten bei der „Umsetzung mit im Boot sitzen“, sagte er. Ein Rehazentrum, Apotheken, Kreisgesundheitsamt, Ernährungsberatung, Vereine und die Europäische Akademie des Sports Velen als Kommunalmoderator machten mit. „Der ist der Kümmerer und gibt immer wieder einen Aktionsschub.“

Als eine der zu „bearbeitenden Baustellen“, so Groß-Holtick, könne das Elternhaus eingestuft werden. Hier werde der Grundstein für gesunde Ernährung gelegt. Es dürfe nicht sein, dass Kinder kein geregeltes Mittagessen bekämen und sich stattdessen im Fastfood-Restaurant ein 500 Kilokalorien schweres Teil holten – „das macht allein ein Drittel des täglichen Kalorienbedarfs aus.“ So genannte „Croissant-Kinder“, die kein gesundes Frühstück erhielten, gebe es schon ab dem Kindergartenalter. „Und wenn die nach Hause kommen, stehen Chips und Cola auf dem Tisch.“ Die Gesellschaft müsse Anreize schaffen für grundlegend gesundes Essen. Groß-Holtick: „Oft können Mütter oder Väter zwar eine Pizza zubereiten, aber kein vernünftiges Essen kochen.“ Grundsätzlich seien in Velen bereits gute Erfolge erzielt worden.


Umfassendes Konferenz-Programm in Zeddam

• Vier Workshops zu Motorik, Ernährung, Gesundheitsförderung, Netzwerken sowie Qualifizierungsmöglichkeiten im Sport- und Gesundheitssektor gehörten ebenso zum zweitätigen Programm wie die Vorstellung von Modellen für einen aktiven Lebensstil oder die Pilotstudie Winterswijk. Esther Hendriks vom Gesundheitsdienst Brabant („Hart van Brabant“) machte die Konferenz mit Ernährungsprogrammen bekannt und Sportwissenschaftlerin Ilka Seidel (Karlsruhe) stellte den NRW-Motorik-Test vor, an dessen Konzeption auch das Willibald-Gebhardt-Institut mitgewirkt hat.


www.gk-gk.de

GKGK-Partner in NRW:
Land Nordrhein-Westfalen
Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen
Euregio Rhein-Waal
LandesSportBund NRW
Europäische Akademie des Sports Velen
BKK-Landesverband NRW
Unfallkasse Nordrhein-Westfalen

GKGK-Partner in den Niederlanden:
Gelderse Sport Federatie, Papendal/Arnhem
Sportservice Noord-Brabant
Provincie Gelderland
Provincie Noord-Brabant


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