Tourismusbranche im Münsterland stärker als die Landwirtschaft

 "Marketing ist 30 Prozent Sache und 70 Prozent Gefühl"

• 30 000 Beschäftigte bewirten 1,44 Millionen Gäste / Ein Drittel der Touristen radelt



• Grenzüberschreitendes Marketing aus erster Hand für Sporttourismus-Studenten bei der Europäischen Akademie des Sports in Velen

 Ein Drittel aller Touristen kommt zum Fahrradfahren ins Münsterland; 30.000 Menschen sind in der Tourismusbranche zwischen Ems und Aa beschäftigt, die damit den fünftstärksten Wirtschaftssektor im Münsterland stellt und damit noch vor der Landwirtschaft rangiert - Zahlen aus erster Hand erhielten Studierende des Fernlehrstudiums Sporttourismus der Europäischen Akademie des Sports (eads) anlässlich eines Kolloquiums am Samstag im Sportschloss Velen von Robert Denzer, Projektmanager Vertrieb der in Steinfurt ansässigen Münsterland-Touristik.

Ihr gehören 69 Orte und neun Gemeinschaften an. Nicht einfach für die Touristiker: Sie müssen allen Mitgliedern (und oftmals Kommunalpolitikern) gerecht werden. Dennoch: mehr Touristen, mehr Holländer, mehr Übernachtungen - insgesamt könnten sich die Zahlen sehen lassen, meinte Denzer in Velen.  Und hatte dafür gute Argumente: 1,44 Millionen Gäste (ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber 2004) mit 3,19 Millionen Übernachtungen (+ 2,3 Prozent) ließen im Durchschnitt 69 Euro täglich hier, das waren zusammen 220 Millionen Euro ohne Tagesbesucher; deren Umsatz betrug zusammen 1,65 Milliarden Euro. 89 Prozent der Gäste kommen laut Touristikverband aus Deutschland; die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 2,2 Tage; 25 000 Gästebetten in Hotels und Unterkünften mit mehr als acht Betten pro Betrieb stehen zur Verfügung. Zudem würden geschätzte 475 000 Gäste (1,05 Millionen Übernachtungen) kommen, die in statistisch nicht erfassten Betrieben übernachten. Wichtigster „ausländischer Quellmarkt" seien die Niederlande, sagte Denzer - und betonte, dass die vor der Haustür stehenden Gäste, oftmals mit der Fiets, touristisch durchaus noch besser umgarnt werden könnten: Zahlreiche Borschüren werden nach wie vor allein in deutscher Sprache verfasst, nicht zweisprachig deutsch-niederländisch.

Das Pfund, mit dem die Touristikmanager deutschlandweit wuchern, ist das Radfahrland Münsterland: 4500 Kilometer lang sei das Wegenetz mittlerweile - „unter touristischen Gesichtspunkten sind wir mit der Ausschilderung seit einigen Jahren führend", sagte Denzer. Zahlreiche Routen, meist zwischen zehn und 30 Kilometern lang, alle nummeriert, seien im Angebot, sie könnten kombiniert oder beliebig verlängert werden.

Die attraktive 100 -Schlösser-Route übrigens, gesamt 1400 Kilometer lang und kürzlich tatsächlich von einem Radler komplett befahren worden, werde nicht mehr so intensiv beworben: „Wir wollen sie kürzen, um Teilbereichen mehr touristisches Profil geben zu können." Eine große touristische Herausforderung seien die Reiter; allein eine halbe Millionen Freizeitreiter gäbe es schätzungsweise im Ruhrgebiet, die gerne ins Münsterland kämen: Doch das Problem, genügend Reitwege zu schaffen und anzubieten, sei nach wie vor aufgrund vieler behördlicher und privater Hemmnisse fast unlösbar.

 

 Da hatte es Ludger Dieckhues, Chef der Bocholter Stadtmarketinggesellschaft (mit der Stadt als Gesellschafter und 35 Bocholter Unternehmen), mit seiner vorgestellten grenzüberschreitenden Inline-Skating-Tour Bocholt - Aalten - Dinxperlo - Suderwick einfacher: Hier wird seit Jahren grenzüberschreitendend zusammengearbeitet. 500 bis 750 Teilnehmer kommen zur Freizeittour im Sommer; „einige Exoten" von weither, über 100 aus den Niederlanden, 150 aus einem Umkreis von 30 und 50 aus einer Entfernung von 60 Kilometern. Veranstaltung wie Sportart seien nach wie vor „trendy", bekräftigte Dieckhues.

 

Wie erfolgreiches grenzüberschreitendes Marketing aufgebaut werden kann, wurde den Studenten und professionellen Veranstaltern in Velen am Beispiel des Kernwasser-Wunderlandes Kalkar von Ellen Richardson erklärt: Sie hat es offenbar in kurzer Zeit geschafft, dem in den neunziger Jahren gestarteten Freizeitpark mit Ex-Kernreaktor ein neues Image zu verpasen.  Deutsche und Niederländer kämen zuhauf, um sich zum Beispiel - „in der Kneipenstraße" - zu vergnügen, aber auch zu Tagungen, Kongressen, als neu angesprochene Gruppe 50 plus (50 Jahre und älter) oder als Familie, um mit den Kindern Wasserrutsche und weitere Attraktionen zu erleben. Marketing, sagte die frühere weitgereiste Hotelmanagerin aus dem Grenzörtchen Aalten bei Bocholt, „ist 30 Prozent Sache und 70 Prozent Gefühl." Wichtig sei, das richtige Gefühl für eine erfolgreiche Sache zu haben. „Dann ist Marketing einfach."

 

 

Die Studenten nahmen die Aussagen von Ellen Richardson mit großem Interesse auf. Zurzeit läuft der dritte Studiengang zum grenzüberschreitenden Sporttourismus-Manager, der unter anderem mit EU-Mitteln über die Euregio gefördert wird. Projektpartner sind neben der eads Velen die Fachhochschule Gelsenkirchen/Abteilung Bocholt sowie die Hoogeschool van Arnhem en Nijmegen.

 


Informationen zum Fernlehrstudium Sporttourismus


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