Zukunftswerkstatt Fußball grenzenlos

 Jugendfußballern die beste Ausbildung!

 Trainer Holger Fach und Bernard Dietz appellieren bei eads-Seminar an Vereine, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen

 „Zukunftswerkstatt Fußball grenzenlos" Auftakt zur internationalen „Respect-Zick-Zack"-Turnierserie

  •  Immer weniger Bundesbürger: Teamsportarten wie Fußball stehen offenbar vor gewaltigen Veränderungen


Velen/Duisburg (eads-press). Einen flammenden Appell richtete Ex-Nationalspieler und Trainer Holger Fach (44) an Fußballvereine und -Verantwortliche: Getreu dem Grundatz „die besten Trainer in die F-Jugend" solle dringend in die Trainerausbildung und -bezahlung investiert werden. Fach: „Seit 30 Jahren wird darüber geredet, doch geändert hat sich nichts." Auch der „vierte oder fünfte Jugendtrainer in den großen Bundesligaklubs" müsse hauptamtlich arbeiten. „Das macht sich für die Vereine immer bezahlt, ist aber nicht durchsetzbar. Alles Geld geht in die Profiabteilung", bilanzierte mit dem gleichen Ergebnis Ex-Europameister und Trainer Bernard Dietz (58) bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Fußball der Zukunft - Potenzial und Grenzen" in der Sportschule Duisburg-Wedau.

 

Das Gespräch beschloss ein informatives, international besetztes Seminar „Zukunftswerkstatt Fußball grenzenlos", das von dem neuen Akademiepräsidenten Walter Schneeloch, zugleich Präsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, eröffnet worden war. Das Symposium fand im Rahmen der Europawoche des Landes Nordrhein-Westfalen statt. Es war der Auftakt zur länderüberschreitenden Fußball-Freundschaftsspielserie „Respect-Zick-Zack-Turniere" kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft. Die Zick-Zack-Aktionen im Grenzraum Deutschland/Holland/Belgien waren schon im Jahr 2000 zur Europameisterschaft sehr erfolgreich gelaufen.

 Veranstaltungspartner einer Turnierserie mit  knapp 30 örtlichen Ausrichtern in Deutschland, Holland und Belgien ist federführend wiederum die Europäische Akademie des Sports (eads) mit Sitz in Velen (Kreis Borken). Mit im Team der Veranstalter sind außerdem: die Euregio Rhein-Waal (Kleve), der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletik-Verband (WFLV, Duisburg), auch Gastgeber der „Zukunftswerkstatt" in Duisburg, der niederländische Fußballbund KNVB, die Interessengemeinschaft der Fußballvereine der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens sowie das Land Nordrhein-Westfalen. An den 30 Turnieren werden zusammen etwa 10 000 Jugend- und Seniorenspieler teilnehmen, berichtete die eads in einer Pressemitteilung.

 Der Fußball stehe in den nächsten gut 40 Jahren vor gewaltigen Veränderungen, prognostizierte Professor Dr. Christian Wopp von der Universität Osnabrück. Ohne Wanderungsgewinne aus anderen Ländern würden aufgrund der demographischen Entwicklung im Jahr 2050 nur noch 53 Millionen Einwohner in Deutschland leben gegenüber jetzt gut 80. Dies habe Auswirkungen auf alle Bereiche, natürlich auch auf den Fußball und die Stärke der Mannschaften, sagte Wopp. „Elf Freunde werden die Teams nicht mehr zusammenkriegen." Der Sportwissenschaftler hat eine umfangreiche Studie für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) erstellt, die diese Woche vorgelegt wird.

 Es werde andere Formen des Fußballspielens und der weiter steigenden Freizeitbeschäftigung geben wie Speedsoccer, Cagesoccer oder Futsal - Mannschaftsspiele mit wenigen Teammitgliedern unter fußballähnlichen Bedingungen.

 Der DFB, größter Sportverband der Welt mit über sechs Millionen Mitgliedern, müsse sich verstärkt „um die Qualität der Spieler kümmern", schlug Wopp vor. Dies werde offenbar angestrebt.

 Weniger Fußballer in Deutschland - mehr in den Niederlanden? Diese langfristig ausgerichtete Verbandsstrategie erläuterte KNVB-Marketingmanager Arno Bendermacher vor dem Fachpublikum in Duisburg. Von jetzt 1,1 Millionen Mitgliedern solle die Zahl bis 2012 auf 1,4 Millionen gesteigert werden.

 Zahlreiche Maßnahmen seien angedacht, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Fußballspiel bringen oder es ihnen erhalten solle: zum Beispiel Sonntag-Morgen-Angebote für die ab Fünfjährigen mit der gesamten Familie, saturday night fever mit 16- bis 20-Jährigen mit Disco samstags abends, Spielangebote für Manager („Zeit als Kostenfaktor") oder Internetportale, in denen sich 45- bis 65-Jährige selber eine Mannschaft zusammenstellen können - holländische Fußball-Innovationen, in die der Verband bis Ende der Aktionen 2012 vier Millionen Euro steckt. Bendermacher: „Es muss ein neues Denken einkehren."

 

  



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